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31 August 2025

Auf touristischen Pfaden

                        

Gemäß der mehr oder weniger üblichen Touri-Route besuchen wir die wunderschönen Städte Herrmannstadt, Eisenmarkt und Karlsburg. Die deutschen Bezeichnungen sind eher aus alter Zeit - in den Navigations-Apps führt dies das eine oder andere Mal zu Verwirrung.

Los geht es mit Herrmannstadt (oder auch Sibiu - was eigentlich übersetzt Siebenbürgen bedeutet). Sibiu ist die Stadt der sehenden Häuser. Wenn man so durch die wunderschön sanierte Altstadt geht, kann man sich schon ein wenig beobachtet fühlen. 




Wie bisher überall hier in Rumänien, ist auch Herrmannstadt perfekt saniert, super sauber und touristisch perfekt aufgearbeitet. 




Und immer wieder sind die Hausdächer auf Beobachtungsposten. 


Die Häuser waren traditionell nicht unterkellert. Um Vorräte zu lagern wurden daher die Speicher verwendet und Vorräte brauchen wohl keine gute Aussicht ;) 





Nach Herrmanstadt geht es weiter in die kleine Stadt Hunedoara (Eisenmarkt), wo wir die gleichnamige Burg besuchen, die wir irrtümlich zunächst für die Burg des Grafen Dracula halten.



Die Stimmung ist allerdings im strahlenden Sonnenlicht nicht so wirklich gruselig. Im Gegenteil. Eine toll sanierte Burg - teilweise noch eingerüstet, weil die Arbeiten noch nicht beendet sind.


Erst auf dem Rundgang erfahren wir, dass Vlad III (der die Vorlage für die Romane der Dracula-Reihe geliefert hat) nur zeitweise auf der Burg Eisenstadt residiert hat. Gänsehautmodus also wieder aus ¯\_(ッ)_/¯ 







Innerhalb der Burg gibt es jedoch die ein oder andere offene Treppe, so dass Dagmar auch schon mal lieber im Hof auf uns wartet. 



Höhenangst halt. 








Hier sieht man das Gerüst ziemlich deutlich. Nicht zum ersten Mal auf dieser Reise wünschen wir uns eine Drohne - die könnte das Gelände noch mal aus der Vogelperspektive erfassen.


Auch Eisenstadt selbst ist wunderschön saniert und auf Vordermann gebracht. 


Auffällig in ganz Rumänien: Es ist sauber, sauber, sauber - hier liegt nirgendwo auch nur eine einzige Zigaretten-Kippe, geschweige denn klebt Kaugummi am Boden - vielleicht muss man sich das in 10 Jahren noch mal anschauen, wenn die Sanierungsarbeiten ein wenig der Vergangenheit angehören. Hier ist aktuell jedenfalls alles frisch wie aus dem Ei gepellt und picobello sauber. 


Dritte Station in drei Tagen dann Karlsburg oder Alba Iulia. Hier mal der Karlo auf dem Stellplatz. Unser rollendes Zuhause soll ja nicht in Vergessenheit geraten. Immerhin sind wir nun bald 6 Monate unterwegs … Leider ist das Wetter heute sehr regnerisch. Dagmar (die heute ihre 12. Woche beendet und bereits 73 Mal im Zelt geschlafen hat), schläft also schön im Trockenen im Van und das Zelt bleibt in der Verpackung. 


Hier in Karlsburg besuchen wir die beeindruckende Festung und platzen dabei quasi in die sonntäglichen rumänisch-orthodoxen Gottesdienste. Wegen des Wetters sind wir aber auf jeden Fall züchtig genug gekleidet. 



Im Regen lassen sich schöne Aufnahmen machen und es sind nicht so viele Touristen da. Für einen Sonntag ist es wirklich ziemlich leer. 




Und Regen war auch hier lange notwendig. Die Pflanzen freut es. 


Die Anlage ist voller Bronze-Statuen - wir haben Spaß. 


Ein Überblick über die Anlage. 


Und auch Hans nimmt sich eine metallene Gefährtin - jedenfalls für einen kurzen Augenblick. 



Frei nach Schiller: 

 Fest gemauert in der Erden
Steht die Form, aus Lehm gebrannt…“

Diese hier ist wohl leider beim Guss kaputt gegangen. 


Am Nachmittag machen wir uns dann vom Campingplatz aus noch mal auf ins Dorf. Leider geht das nur über eine (ziemlich wackelige) Hängebrücke. Dagmar krallt fest an meinen Arm - das gibt auf jeden Fall blaue Flecke. Nach der Hälfte muss sie aber umdrehen. Ich bringe sie dann zurück und darf die Brücke so dann zweieinhalb mal gehen. 

Höhenangst halt


Leider ist das Wetter für einen ausgedehnten Spaziergang dann doch zu schlecht, deshalb machen wir uns einen gemütlichen Abend im Auto mit dem FC und Guido Ostrowski. 


Das waren schöne Tage in Rumänien bis hierhin … Zumal der FC das Bundesliga-Auftakt-Spiel gegen Freiburg wohl gewinnt (gerade steht es 4:1) 

Für uns wird es jetzt aber langsam Zeit, Ungarn in Angriff zu nehmen. Die Mautregelungen für Wohnmobile über 3,5 Tonnen haben wir uns schon durchgelesen. Es kann also weitergehen. 



27 August 2025

Bärenstarkes Rumänien



Wir genießen zwei entspannte Übernachtungen am Stausee und fahren dann heute weiter Richtung Transsilvanien zur berühmten Passstraße Transfăgărășan in den Karpaten. 

Aber erst muss ich mich noch von unserem kleinen Familienanschluss verabschieden. Die kleine Deutsche Jagdterrier-Hündin habe ich echt ins Herz geschlossen. Sie wohl eher nur mein gegrilltes Hühnchen-Leftover …  



Im Sonnenuntergang mag aber auch der mutigste Jagdhund mal ein bisschen kuscheln. 


Ich muss gestehen, ich hatte unglaublich viele Vorurteile unserem 10. Reiseland gegenüber und deshalb überrascht (gerade mich) Rumänien tatsächlich sehr. Der aufstrebende Tourismus liegt zwar noch in den Kinderschuhen, man kann Rumänien aber durchaus als Geheimtipp betrachten und wirklich nur empfehlen. Und das sagen wir, obwohl wir erst drei Übernachtungen hier hatten. 


Auf dem Weg staunen wir nicht schlecht. Das Land ist wunderschön, sauber und super aufgeräumt. Und immer wieder trifft alt auf neu.




Die Menschen hier sind freundlich, aufgeschlossen und sehr, sehr fleißig. Überall wo wir auf Menschen treffen, sind diese mit irgendwelchen Arbeiten beschäftigt. Faul herumstehen oder -sitzen tut hier niemand. Jeder kann - zumindest ein wenig - Englisch und wenn nicht, dann wird auch bei den Älteren sofort das Handy mit dem Google-Übersetzer gezückt. 


In vielen Dörfern sieht es fast so aus wie bei uns in den deutschen oder österreichischen Alpen. Und dann wiederum gibt es Strecken, wie die Transfăgărășan, die mit richtigem Safari-Abenteuer aufwarten.





Entlang der wunderschönen Passstraße über die transsilvanischen Alpen kann man nämlich hinter jeder Ecke auf Bären treffen. Es kommt sogar vor, dass die Strecke deshalb komplett gesperrt werden muss. 



Die Bären sollen angeblich unterhalb der Baumgrenze im Wald leben.



Erst mal wird die Straße jedoch von dieser Horde belagert 




Je weiter wir nach oben gelangen, desto häufiger treffen wir auf Warnschilder: Die Bären bitte nicht füttern (also jedenfalls nicht mit Pizza). Wir sind gewarnt, aber das hätten wir eh niemals in Erwägung gezogen. 



Wir werden nicht enttäuscht und Dagmars Teddy freut sich sehr über seine großen Schwestern und Brüder. 










Wir haben noch nie Bären in freier Wildbahn erlebt und sind wirklich sehr beeindruckt. Über unsere Funkgeräte-App wird aufgeregt hin und her geplappert. Die arme Dagmar hat ja sonst niemanden, mit dem sie das sofort teilen kann. 

Die heutige Übernachtung findet aber natürlich ganz sicher auf der Passhöhe auf 1900 Metern und jenseits der Baum- und Bärengrenze statt. Sonst würden wir uns das nicht trauen. 



Allerdings treffen wir hier oben auf einen Tcheschen mit seiner Drohne, der hat gestern hier oben übernachtet und vorher weiter unten die Bären mit Äpfeln und Hundefutter gefüttert. Und das mit zwei kleinen Mädchen im Van … Er hat sicherlich noch bessere Fotos machen können als Hans. 


Der tatsächliche Scheidepunkt der Passstraße mutet eher wie Disney-Land an und ist vollkommen überfüllt. Da fahren wir einfach 300 Meter weiter nach unten. Auf einem kleineren Parkplatz richten wir uns für den Nachmittag und Abend gemütlich ein. Ein paar Würstchen in der Pfanne und der Rest vom Kartoffelsalat von gestern … lecker. 



Statt tausender Touristen ist das hier unsere Abendgesellschaft. Unser Blick aus dem Schlafzimmerfenster für heute Nacht. Kann man mal machen.



Wir vertreten uns noch ein wenig die Beine über die Weide und über Stock und Stein.




Alleine bleiben wir hier oben heute Nacht auch nicht. 


Die wunderschöne geschlungene Route lockt sogar an einem Mittwoch jede Menge  Besucher an. Auch eine ganze Porsche-Gruppe bleibt den ganzen Abend bei uns auf dem Parkplatz. Und während wir die Natur bewundern und uns fragen, was es mit dieser Ansammlung modernster deutscher Ingenieurskunst auf sich hat, gibt das Internet Auskunft. Die Firma Porsche hat der Transfăgărășan eine Sonderedition ihres 911ers gewidmet. Was für ein Glück, dass die ausgerechnet alle neben uns (und zwischen den Schafen) parken wollen. 






Da man im Porsche aber nun mal nicht übernachten kann, bleiben wir lieber bei unserem Set-Up. Karlo macht sich ja auch super im Panorama. 
 

Und der kleine Ford sowieso ;) 





Mit Einbruch der Dunkelheit wird es dann allmählich etwas ruhiger hier oben. Tagsüber kommt es uns noch ein wenig vor, wie an einer Autobahnraststätte.



Und weil hier anscheinend immer so viel los ist und tausende Touristen hier entlang kommen, waren andere waschechte Kölner wohl schon vor uns hier. 



Das abendliche Tal im Sonnenuntergang. Dahin führt uns dann morgen unser weiterer Weg. 


Wir sind total geflasht von allem, was dieser Tag bisher für uns bereitgehalten hat. Wenn sich der feine, dunstige Wolkenschleier noch verzieht, gibt es vielleicht dann im nächsten Blog-Beitrag noch ein paar Bilder vom Sternenhimmel.